Montag 15. September 2003, Region


Casino im Park

Gypsymusik, Stimmkraft und Tanz

Zigeunermusik von den Quellen im Orient und im Balkan, interpretiert im Spiel mit Stimmkraft,
Instrumenten und tanzenden Körpern, riss im Casino alle zu furioser Beifallsflut hin.
Am Freitag gastierte das Gypsy-Festival, bei dem die Migros Pate steht,
auf der Tournee zu Schweizer Kultstadten auch in Schaffhausen.

Handverlesene Künstler aus den vitalen Strömungen seelenvoller Zigeunermusik liessen
den Auftritt der zur Hochform gelangenden Starsängerin Esma Rezepova,
«Königin der Zigeuner» genannt, zum aussergewöhnlichen Ereignis werden.
Christian Votsch von der mazedonisch-schweizerischen Folk-Gruppe «Ssassa» beantwortete
mit der Festival-Idee Träume und die Begeisterung vieler Schweizer
für die Musikgestaltung der völkerwandernden Kulturen.

Am Rande tanzten bei einer der Zugaben nach Standing Ovations
etliche Schaffhauserinnen neben den Sitzreihen mit. Im Foyer des Casinos warben auch
die Schweizer Jenischen mit einer kleinen Ausstellung um Aufmerksamkeit.

Die Schau geizte nicht mit herausragenden Effekten und fantastischen Reizen.
Als die Bauchtänzerin Asmhan in brillanter Technik hochprofessionellen Bauchtanz bot,
der in einem Pfeifkonzert und frenetischem Getrappel des Publikums mündete,
stellte sich umgehend der Bezug zum Hof des Königs Herodes ein
.
Stilvollen Flamencotanz schufen Manoli Rodriguez und Adriana Maresma Fois.
Maria del Mar Fernandez legte starke Gefühle in ihren Gesang.
Juan Gomez und Frederik Gille liessen Spitzenklasse erleben mit Gitarre und Perkussion.


Die von Anfang an zündende Stimmung heizte sich zunehmend an.
«Ssassa» boten mazedonisches Temperament auf traditionellen Instrumenten.
«Arez», aus Paris, Ägypten, Libanon und Marokko, liessen durch kunstvolle Schönheit
in Gesang und Instrumentalmusik aufmerken. Der blinde Geiger Mohamed Issa
bezauberte dabei auch mit feinfühligem Gesang.
Später sollte er mit der Grande Dame Esma Rezepova ein unvergleichliches Zwiegespräch aufbauen,
das die Sängerin zum solistischen Höhepunkt gestaltete.
Auch sie hatte vorzügliche Interpreten um sich, welche künstlerisch viel mehr boten
als nur Stimmung zu schaffen: Virtuosen an Trompete, Klarinette und Blechtrommel.
Die Tänze des Meisters Gamal Seif verbanden sich mit der Ausstrahlung orientalischer Mythen.
Zusammen mit Verah Zad führte er einen bezaubernden Tanz eines Liebespaares auf.


Dann trat er in höchster Bühnenpräsenz als effektvoller Derwisch in Aktion.
Dabei entfaltete der mehrlagige Tellerrock zusammen mit fünf Tambourins Bilder von
filmreifer Anmut. Das nicht billige Gypsy-Festival bestätigte seine Klasse,
als die verschiedenartigsten Gruppen in ihrer Musik die Gemeinschaft von Künstlern eindrücklich erleben liessen.

Ursula Noser